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Neuer Stoff für Frauenträume
Was in den 50ern als aufreizend galt, ist heute im Büro biedere Pflicht: Nylons. Der Erfinder des Stoffs erlebte die Kreation der Damenstrümpfe nicht mehr.
Nur Hollywood Stars konnten sich in den 40er-Jahren die „sündhaft teuren“ Nylonstrümpfe leisten
Bis 1930 war Japan der Hauptlieferant für Seide für die USA. Als der Inselstaat versuchte, im asiatischen Raum zu expandieren, sahen die Vereinigten Staaten die Handelsbeziehungen gefährdet. Um die knapp gewordene Seide zu ersetzen, versuchte Wallace Hume Carothers mit seinem Forschungsteam von der Firma DuPont de Memours & Co., eine künstliche Faser herzustellen, die der Seide ähnelte.
Vom Labor ans Damenbein
Am 28. Februar 1935 erhielt Carothers in einem Experiment aus Hexamethylendiamin und Adipinsäure schließlich das Polyamid, eine durchsichtige seidig schimmernde Faser. Sie wurde aus dem Schmelzfluss nach dem Trockenspinnverfahren hergestellt: Dabei wird der Faden, wenn er vollständig erkaltet ist, um etwa 400 Prozent gestreckt, was die hohe Festigkeit und Elastizität ermöglicht. Das neue Material galt als besonders reiß- und scheuerfest, leicht waschbar und schnell trocknend. Als eine vollsynthetische Faser „aus Kohle, Wasser und Luft“ stellte DuPont das Nylon 1938 in einer Anzeigenkampagne erstmals der Öffentlichkeit vor.
Am 24 Oktober 1939 fand ein erster Testverkauf von 4000 aus Nylon hergestellten Damenstrümpfen statt: Innerhalb von drei Stunden waren sie komplett ausverkauft.
Exakt am 15. Mai 1940 fand der erste richtige Verkauf von Nylonstrümpfen statt. Damals waren die ersten Nylonstrümpfe sehr teuer, ein Paar kostete bis zu 250 USD, deswegen wurden die kaputten Strümpfe nicht einfach in den Mistkübel geworfen, sondern von geschickten Händen repariert. Der Nylonstrumpf entwickelte sich zu einem Beinbekleidungsstück, das einerseits auf viele Menschen eine starke erotische Ausstrahlung ausübt, anderseits - zum Leidwesen vieler Frauen - zu Laufmaschen und somit zur Kurzlebigkeit führte.
Innerhalb von NUR 4 Tagen wurden ab Mai 1940 in den USA 4 Millionen Paar Nylons verkauft!!!
In Deutschland wurden die ersten Perlonstrümpfe (Nylonstrümpfe) erst ab 1950 verkauft.
In der Literatur wird häufig die 50iger und 60iger Jahre als Nylon- oder Perlonzeit bezeichnet. Kaum ein anderes Material steht so für diese Zeit wie der synthetische Kunststoff.
Während die ersten Strümpfe noch eine Garnstärke von 70 bis 40 den hatten, wurde 1951 schon eine feinere Struktur von 10 den erreicht. Da es noch keine Rundstrickmaschine gab, mussten die Strümpfe durch eine Naht in Passform gebracht werden. Die hatte gleichzeitig den Vorteil, dass sie das Bein ihrer Trägerin schlanker erscheinen ließ.
Ungefähr Mitte der 50iger Jahre kamen die ersten rundstrickende Zylindermaschinen auf den Markt. Diese ermöglichten in einem Arbeitsprozess nahtlose Strümpfe herzustellen.
Vom Strumpf zur Hose
Der Siegeszug des nahtlosen Strumpfs begann Mitte der 50er-Jahre mit der Weiterentwicklung der Textilmaschinen. Schließlich machten die Maschinen es möglich, die bislang produzierten Nylonstrümpfe mit einem Höschenteil zu versehen: Der Massenproduktion der Strumpfhose stand nichts mehr im Wege. Der Durchbruch gelang dieser Innovation in den Sechzigern. Ab dem Zeitpunkt von 1968 wurde das Ende der Nylon- und Perlonzeit berichtet.
Unter dem Minirock waren die Nylonstrumpfhosen praktischer und bequemer als Strümpfe mit Halter und Hüftgürtel, somit war dies vorerst der Untergang der Nylonstrümpfe.
GUT ZU WISSEN
Nicht nur für feine Damenstrümpfe wurde Nylon verwendet. Auch das Militär hatte wegen seiner großen Reißfähigkeit großes Interesse an der Faser. Als am 7. Dezember 1941 Pearl Harbour von den Japanern bombardiert wurde und die USA kurz darauf in den Krieg eintraten, wurde Nylon zum kriegswichtigen Material erklärt. Für die Herstellung von Strümpfen blieb kaum Nylon übrig. So wurden die Damenstrümpfe – zur Mangelware erklärt – auf dem Schwarzmarkt eine beliebte Ersatzwährung.

